TRANSHUMAN. Meine Nation ist der Planet

Der Sonnenstrahl brannte auf die Nase.

Guido rümpfte sie, grunzte, drehte sich zur Seite.

Seine Hand legte er dabei über Cyele´s Bauch.

Er drückte sich an ihren Körper und öffnete die Augen.

Sie lagen nebeneinander in ihrem Bett und hatten den Tag auch zusammen frei.

Guido spürte die Sonne nun am Hinterkopf.

Er lächelte, den ganzen Tag für sie beide, das gab es seit langem wieder mal. Ihre Schichten ergänzten sich selten.

Die Sonne schien immer mehr ins Fenster und Guido und Cyele wurden im Sonnenlicht gebadet und gehüllt. Guido schmiegte sich an Cyele, die mit Zärtlichkeit antwortete.

Ihr sicheres, schönes Gefühl des Miteinander entwickelte  eine Lautstärke, die Maria in der Wohnung nebenan ein Lächeln in ihren faltigen Wangen zauberte.

Julie und Cyele lagen glücklich zusammen unter der verschlissenen Decke. Aneinandergeschmiegt genossen sie den seltenen Augenblick, den seltenen Morgen. Und wie als Allegorie war der ganze Raum voll Sonnenlicht.

Cyele hatte die Augen geschlossen und hatte ihren Kopf auf Guido`s Brust. Sie guckten auf die Uhr. Guido nickte.

Neben an konnten sie Maria aufräumen hören und ihr thailändischer Nachbar unter ihnen sang, so laut er wohl konnte.

Guido hielt Cyele in seinem Arm. Es war so schön, so intensiv, so rund, ein perfekter Augenblick, Guido wollte ihn nicht beenden.

Cyele küsste ihn.

Wir müssen aufstehen.“

Guido grunzte wieder. Bekam noch einen Kuss.

Heute ist Straßenfest, wir müssen jetzt aufstehen.“

sagte Cyele. Und sprang auf.

Draußen war auch mehr Lärm, mehr Stimmen, mehr Unruhe, Lärm von Erwachsenen und Kindern.

Straßentag.

Auch Guido stand jetzt auf. Sie waren beide zufrieden und glücklich.

Guido war seit seiner Befreiung nachts nicht mehr losgegangen und hielt auch Cyele zurück. Sie verhielten sich unauffällig.Wenn abends die Dunkelheit in die Straßen dämmerte, schlossen sie die Fenster, um auch die Geräusche des nächtlichen Kosmos draußen zu halten.

Die Rufe, die Schreie, die Sirenen, dies Geräusch von Splittern und die Detonationen,

die Hoffnung, die Verzweiflung und die Angst, die mit den nächtlichen Geräuschen die Gehäusewände hochkrochen und durch die Ritzen in die Zimmer drangen.

Aber jetzt schien die Sonne und die Geräusche von der Straße waren fröhlich und vielfältig.

Straßentag.

Überwacht von den Camps und Drohnen, trafen sich die Menschen in der Straße und hielten ihren Markt.

Straßentag bedeutete Markttag. Musik, Essen und Tanz gehörten dazu.

Bedeutete, Obst und Gemüsehandel mit Früchten in Häusern und Zimmern angepflanzt und geerntet,

bedeutete Tauschhandel, Gemüse gegen selbst geschaffene Werkzeuge, Obst für Schuhe reparieren,

tauschen auch für Kleidung.

Bedeutete Zusammentreffen, gegenseitigen Austausch, Hilfe und gegenseitiges Versorgen,

bedeutete ärztliche Vorsorge im Zelt.

Guido hatte seit Monaten einen schlechten Zahn.

Lange hatte er sich davor gedrückt, jetzt war der Tag.

Er war froh und Cyele ließ ihm auch keine Wahl, heute musste er in das Ärztezelt, dem auch die Zähne gezogen worden.

In den „besseren“ Vierteln gab es auch Zahnärzte, bestens ausgerüstet, modernste Technik.

Sein Chef ging immer zu dem um die Ecke bei der Bank.

Guido, war wie fast alle, die er kannte, nicht krankenversichert, nicht sozial abgesichert. Auf dem Bildschirmscreen sah die Schablone der Versorgung erstklassig aus. Für die, die bezahlen konnten.

Aber Guido, Cyele, Maria, die meisten Menschen in seiner Straße, seinen Viertel konnten es nicht.

Guido und Cyele zogen sich an.

 

Transhuman, Fortsetzungstext gesamt

Transhuman. Ich bin Mensch. Meine Heimat ist die Erde

Guido sah vorsichtig zum Fenster hinaus, versteckte sich am Fensterrahmen.
Unten in den Straßen war etwas weiter weg ein Lichtschein, flackernd, ein großes Feuer das unruhig den Himmel erhellte und Lärm, Straßenlärm.
„Ich glaube, es ist der Lebensmittelmarkt,“flüsterte Guido aufgeregt.
„Ich werd gucken, vielleicht fällt was ab.“
Guido zog seine schwarzen Sachen an, die schwarzen Turnschuhe, vorher hatte er Stiefel gehabt, festes Leder, feste Sohle, aber mit diesen Schuhen konnte er nicht schnell genug laufen.
Er trug die schwarze Hose, den schwarzen Kapuzenpullover und das schwarze Halstuch, um damit das Gesicht abzudecken.
Cyele gab ihm einen  Kuss.
Sie hielten einander.
„Pass auf dich auf,“ bat ihn Cyele.
„Komm ja wieder,“ krächzte die Alte.
„Klar, Maria“, sagte Guido.
Er steckte sich noch Tüten ein, falls er Beute machte.
Cyele verschloss hinter ihm die Tür und stellte sich geschützt ans Fenster um Guido nachzugucken, wie er die Straße entlang verschwand
Cyele ging zu Maria. Beide waren nervös und hielten sich die Hand.
Der rationalisierte Strom schaltete sich ab.
Es war dunkel um Cyele und Marie.
Guido schlich vorsichtig die Häuser entlang. Der Lärm und der flackernde Lichtschein kamen immer näher. Immer mehr Menschen sah Guido, die wie er vorsichtig zu dem gleichen Ziel strebten.
Je näher sie den Lebensmittelmagazin kamen, umso unvorsichtiger und drängender verhielten sich die Menschen. Trotz oder wegen der Überwachungskameras, der Drohnen versteckten sie sich immer weniger, denn jetzt kam es auf die Masse der Menschen und ihre Schnelligkeit an.
Guido rannte inzwischen mit anderen immer schneller zu dem Lebensmittelmarkt.
Er zog sein Halstuch über das Gesicht, die schwarzen Handschuhe an.
Er bog um die Ecke und sah die Menschen kämpfen mit Schutzrobotern und Drohnen. Auch echte Schutzpolizei war angetreten und versuchte ebenfalls zum Eingang zu kommen. Dieser war umgeben von einer Masse Menschen, die sich da drängelten, versuchten in die belagerte Halle zu geraten.
Von drinnen warfen Menschen Lebensmittel und Wasser aus den Türen heraus, die die Menschen draußen auffingen.
In den hin und her wogenden Chaos drängelten sie Guido immer mehr an die Tür.
Am Rand der Menschenmenge prügelten sich die Polizisten mit den Plünderern.
Guido sprang und bekam eine Wasserflasche zu fassen, dann eine zweite und sogar ein Brot.
Er kannte diese Organisation, die hier das Magazin aufgebrochen hatte. Es waren Leute von der berühmt berüchtigten Organisation „Bettagamma“.
Sie war schon berühmt für Überfälle auf Versorgungspunkte und der kommunistischen Verteilung der Lebensmittel.
Aber keiner wurde so gejagt, wie die Mitglieder dieser Gruppe.
Über den Menschen tauchten immer wieder Drohnen auf, die von den Menschen mit Zwillingen und Pfeilen bekämpft und manchmal auch abgeschossen wurden.
Guido hörte wie am Rande härter gekämpft wurde und die Menschen zusammengedrückt wurden, er kämpfte sich zum Rand und suchte mit seinen zwei Wasserflaschen und dem Brot eine Möglichkeit durch die Absperrung der Polizisten zu brechen.
Es gab eine nicht ganz so stark besetzte Lücke in der Polizistenkette und er sah, wie sich dort Menschen zusammenrotteten, um auszubrechen. Guido schloss sich ihnen an. Ein Mann an der Spitze gab ein Zeichen und die Menschen versuchten die Absperrung zu durchbrechen. Guido kam in das Handgemenge, er konnte einen Knüppelschlag nicht ausweichen und er stolperte und wankte.
Er fiel, verlor seine Wasserflaschen und versuchte sie wieder zugreifen.
Er schaffte es bei einer, als er an seinem Pullover einen harten festen Griff spürte und er mit unnachgiebiger Kraft hochgezogen wurde.
Guido strampelte und wurde umgedreht, er sah direkt in die künstlichen Augen eines Schutzroboters, der seinen Pullover unerbitterlich festhielt.
Guido ließ alle Sachen fallen, denn jetzt ging es um alles, ums nackte Entkommen.
Seine Sachen waren sofort von anderen Händen ergriffen und verschwunden.
Guido hing an dem eisernen Griff und konnte nicht los.
Er bekam Angst, wahnsinnige Angst, dachte an Cyele und die Zukunft.
Der Schutzroboter zog ihn mit sich fort.
Guido kämpfte und versuchte sich irgendwo festzuhalten, aber er schaffte es nicht.
Der Roboter zog  ihn in Richtung der Gefangenensammelstelle.

Transhuman. Ich bin Mensch. Meine Heimat ist die Erde.

t7

Und alles war gut.

Das Selbst erwachte in der altgewohnten Wirklichkeit. Es kommunizierte mit der Frau der Raumfahrtbehörde.

Es war natürlich nur ein Computer. Es waren die üblichen Meldungen, Geschichten von der Erde.

Alles wie gewohnt.

Das ‚Selbst war ja verbunden mit und durch die virtuelle Realität. Es gab keinen Unterschied zu den Informationen früher weit im All.

Dennoch verspürte das Selbst noch etwas anderes.

Irgendetwas betraf das reduzierte ich in dieser künstlichen Wirklichkeit. Es wusste nichts. Doch es war auf eine fast vergessene Art unruhig. Diese Unruhe, die Erinnerung an ein früheres Leben, ein körperliches Selbst.

Es versuchte die Außenkamera des Raumschiffes einzuschalten und bemerkte dabei, dass ihm virtuelle Bilder vorgespielt wurden.

Es dauerte eine Zeit, bis das Selbst die Sicherungen umgangen und aufgebrochen hatte. Es schaltete die Kamera ein, als sein Auge, und empfand diese Stille.

Der Himmel war leer, keine Flugobjekte, keine Funksprüche, kein Lärm.

Der Himmel war leer.

Das Selbst stutzte. Es bewunderte die Klarheit des Himmels, die blaue Farbe, das Strahlen der Sonne, die Sonne, die es so lange nicht gesehen hatte, die Sonne, die noch mehr gelöschte Erinnerungen eines gesicherten alten Backups in das Bewusstsein speiste.

Das Selbst schaltete die Mikrofone ein.

Es gab keine Geräusche!

Die Mikrofone hatte eine hohe Auflösung. Es konnte damit in den Himmel horchen. Es hörte den Wind in den Bäumen. Es hörte Tiere. Rascheln ,Laute.

Die Kameras erforschten Wald, Berge, Flüsse, Seen, Wald,Wiese, aber es gab keine Häuser, keine Straßen, kein Menschen.

Es erhöhte die Auflösung, nichts, kein menschliches Werk, kein Mensch.

Nichts.

Guido öffnete Cyele die Tür. Cyele war erschöpft, ihre Haare zerzaust, die Kleidung voller Flecken und ihr Ärmel und Schulter ihrer Kleidung war zerrissen.

Ihre Nase blutete.

Guido nahm sie in den Arm. Cyele fing an zu weinen.

Drück mich „, sagte sie zu Guido.

Er drückte sie zärtlich.

Fester“, flüsterte Cyele.

Guido drückte fester und auf einmal brach Cyele in Weinen aus.

Das Schluchzen schüttelte ihren Körper.

Ich habe es gehört“, schluchzte sie.

Guido sah sie verständnislos an.

„Was?“, fragte er.

Ich habe es gehört!“

„Was denn Zoe?!!“

Den Knochen! Ich habe gehört, wie der Arm gebrochen ist!“

Sie schluchzte wieder auf.

Guido fragte erschrocken.

Was?“

Er sah bei Cyele nichts.

„Den Arm, ich hab’s gehört!“

Cyele erzählte Guido, was vorgefallen war. Von der Schlange, der Menschenmasse, dass unfähige Aneinandergedrücktsein,

von der Gier und der Selbstsucht,

wie die Frau fiel, und niemand ihr half, und Cyele ihr auch nicht helfen konnte, so verschachtelt in der Menge.

Sie sah die Schuhe, die auf die Frau traten, und den einen Tritt, bei dem es das hässliche Geräusch gab.

Dieses trockene Knacken.

Transhuman. Ich bin Mensch.Meine Nation ist der Planet

t6

Sehet, es wurden uns gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allen Gewürm, das auf Erden lebt ist grünes Kraut zur Nahrung gegeben.

Auf dem Nachhauseweg sah Cyele eine lange Schlange von Menschen. Ohne zu überlegen, stellte sie sich an. Irgendetwas gab es schon.Ihre Augen waren noch immer gerötet. In ihrer Arbeit hatte sie die Version des Beziehungsstreites erzählt und Mitgefühl, Mitleid und Häme geerntet.

Sie hörte von der Frau, die vor ihr stand, dass es Wasser gäbe und sogar Gemüse.

Cyele freute sich, Guido schwächelte, sie wusste ihrer beiden Ernährung, war wie die aller inzwischen eine ungesunde Mangelernährung.

Der Abend senkte sich über die Stadt. Es wurde langsam milchiger und dunkler.

Die Menschen in der Schlange wurden ungeduldige und unruhig.

Als der Lebensmittellaster aus der Ausfahrt kam, fingen sie an zu drängen.

Auch Cyele drückte nach vorn.

Es gibt bald nichts mehr!“ rief eine Frau.

Mit diesem Ruf löste sich die Schlange auf, alle drückten nach vorn, aus der Form der Schlange wurde eine hin und herwogende Fleischkugel.

Menschen schrien und rückten immer stärker nach vorn.

Cyele wurde von den hinteren Menschen immer stärker nach vorn gedrückt.

Sie konnte sich nicht mehr bewegen, wurde hin-und hergedrückt.

Cyele bekam keine Luft mehr.

Sie versuchte nur noch aus dieser sich hin und herschiebenden Masse zu bekommen

Vor ihr fiel eine Frau, doch niemand half ihr.

Transhuman. Ich bin Mensch. Meine Nation ist die Erde.

T5

Einst wimmelte das Wasser von lebendigen Tieren und die Luft wimmelte von Tieren, ein jedes nach seiner Art, zwischen Abend und Morgen.

Guido stand am Bankschalter, seine Nase hatte Cyele mit einem Pflaster überklebt und in die Nasenlöcher Watte gefüllt-

Zu einem Arzt gehen und sich medizinisch behandeln zu lassen, konnte er nicht, da inzwischen alle Daten in den großen Bewusstseinsstrom gespeist wurden.

Der Bewusstseinsstrom hatte sich aus dem Internet entwickelt, wie ein Wesen, dessen Bewusstsein und Unterbewusstsein öffentlich dargestellt wurden, das Unterbewusstsein anfangs als verschlüsselte Version des Internets, die Darknet genannt wurde.

Die medizinische Behandlung würde Guido in die Aufmerksamkeit der Netzwächter führen.

Ein Fahrradunfall“, damit erklärte Guido seine verletzte Nase.

Er war morgens in seine Bankfiliale gekommen. seine Kollegen und der Chef hatten ihn sehr seltsam gemustert.

Schlägerei?“, wollte ein Kollege mit hämischen Grinsen wissen.

Der Chef schaut ihh missbilligend an. In einem kurzen Gespräch erklärte er Guido tadelnd, bis zum Mittag an den Schalter stehen zu müssen, bis ihn ein andere Kollege ablösen konnte.

Sie müssen sich doch bewusst sein, dass sie am Schalter unsere Bank darstellen, den Kunden gegenüber!“.

In der Mittagspause ging Guido auf die Toilette, um heimlich seine Nase zu versorgen. Danach ging er zum Hintereingang hinaus, um ein bisschen frische Luft zu genießen.

Dort sah er seinen Chef, der einen Mann mit Handschlag begrüsste und beide sahen sich um.

Guido drückte sich in den Schatten der Hausecke, beobachtete die beiden.

Beide öffneten den Kofferraum ihrer Wagen und sein Chef und der Mann luden schnell ein Dutzend Wasserflaschen und Grundnahrungsmittel in den Kofferraum seines Chefs.

Guido kannte den Mann, der Polizeihauptkommissar und ein Kunde ihrer Bank war.

Dieser war vor zwei Stunden in die Bank gekommen und als Guido ihn bedienen wollte, kam sein Chef schnell herbei und bat den Mann in sein Büro und sie redeten beide eine Viertelstunde lang.

Guido stand schon am Hintereingang, sah, wie die Beiden sich verabschiedeten, der Polizeihauptkommisar in seinen Wagen stieg, und der Chef auf ihn zukam.

Guido schlüpfte schnell hinein und stellte sich an die Kundentheke. Als sein Chef hinein kam, sah er ihn mit einem prüfenden Blick an und Guido reagierte, indem er den Blick senkte, und sich konzentriert über Bankformulare beugte.

TRANSHUMAN Ich bin Mensch. Meine Heimat ist die Erde. t4

Das Selbst kontrollierte alle Funktionen und Vorgänge, und da waren immer noch zwei große Lichter:

ein grosses Licht, das den Tag regierte, und ein kleines Licht, das die Nacht regierte, dazu auch die Sterne.

Das Selbst dachte an diese lange Zeit, in der die Raumfahrt weiterentwickelt wurde, in der Hoffnung Ressourcen im Weltraum finden zu können.

Das Problem der Schwerelosigkeit im All zeigte das Zerbrechliche der Menschen, die Knochen, die keine lange Schwerelosigkeit ertrugen.

Das war das größte Problem bei den langen Reisen im Raum, dass der Mensch in seiner Gebrechlichkeit keine langen Distanzen schaffen konnte.

Das Selbst, er, entstammte dieser Generation, die den Kosmos bereisten und Versuche ausführten, bevor die Wissenschaftler die rotierenden Raumschiff entwickelten, die eine Gravitation herstellen konnten und somit die Grundlage langer organischer Raumreisen bildeten. Das Selbst dachte daran und überprüft die Dauer seiner Reise im Kosmos. Auf dem blauen Planeten waren inzwischen 131 Jahre, sieben Monate, zwölf Tage, 11 Stunden, 39 Minuten und 12 Sekunden vergangen.

Und vor 140 Jahren drei Monaten sieben Tagen 18 Stunden 23 Minuten und 37 Sekunden schrie Guido leise auf, als Cyele den Nasenbeinbruch versorgte.

Es klopfte wieder an die Tür.

An der verzweifelten Stille des Geräusches und der tastenden Art erkannte der Freund den Hilfeschrei und öffnete wieder die Tür. Im Dunkeln hörte Guido, wie sich Menschen in die Wohnung schlichen, wieder das unterdrückte Keuchen und wieder brannte die Luft von dem Tränengas, das in der Kleidung der Neuankömmlingen in die Wohnung dünstete.

Guido presste Toilettenpapier auf das offene Fleisch im Gesicht und versuchte sein Hemd nicht zu bekleckern.

Die Wasserversorgung funktionierte schon Jahre nicht mehr, und seitdem die Mächtigen um die Ressourcen kämpften, das Wasser privatisiert hatten und über die Bilder der Angst das Gegeneinander züchteten, kämpften auch die Ohnmächtigen gegeneinander.

Nur kämpften sie um Wasserflaschen und Essen. Guido achtete sehr auf sein Hemd. Bei dem Wassermangel war Sauberkeit und Hygiene etwas zurückgetreten in der Wertigkeit und dem Anspruch. Trotzdem musste Guido am nächsten Tag pünktlich um 8:00 Uhr in der Bankfiliale stehen und höflich die Kunden bedienen.

Cyele half ihm das Hemd auszuziehen, um Verschmutzung zu verhindern, bis das Blut geronnen war. Ihre Augen brannten von dem Tränengas. Sie musste am nächsten Tag auch wieder in ihrer Versicherung sitzen, fröhlich und gut gelaunt. Die roten Tränen in den Augen würde sie mit ihrer Beziehung erklären, Streit und Stress.

Guido sah Cyele an, die sich im engen mit Menschen gefüllten Raum an ihn schmiegte. Ihre Augen verbanden sich und er gab Cyele einen langen zärtlichen Kuss

TransHuman ich bin Mensch. Meine NATION ist die Erde.t3

Es ward Erde und das Meer und die Gewächse voller Früchte.

Die Kapsel kommt dem blauen Stern näher. Es erinnerte sich, die Zeit, als die Menschen noch nicht bewusst erkannt hatten, dass alles eins ist und der Planet ein geschlossenes System, in dem sich immer alle Werte ändern,

als die Menschen noch im Gegeneinander lebten statt im Miteinander,

als eben die ersten Menschen begannen zu erkennen, dass die Welt eins ist und die Notwendigkeit und die Freiheit es erforderten, den Sprung zu vollziehen in der Evolution, einen Weltbundesstaat zu gründen, mit aller Freiheit der Völkern.

Erst später konnten die Menschen erkennen, wie lange, wie schwer und furchtbar der Weg dahin war.

Cyele trocknete Guido das Blut ab, das von dem Knüppelschlag , dem Nasenbeinbruch von der Nase auf den Mund, die Lippen bis ans Kinn floss und dort zu Boden tropfte.

Sie hatten Glück gehabt und waren in eine Wohnung eines Freundes geflüchtet.

Und so außerhalb der Reichweite der Macht, im Moment.

Sie waren durch die Slums gestürmt, die sich in der ganzen Welt, in allen großen Städten gebildet hatten.

Da überall die gleichen Zeichen der Krankheit, des Tumors, der immer wachsen musste und sich selbst zerstören, um wieder wachsen zu können, auftraten.

Da die Menschen noch im Gegeneinander und Übereinander lebten.

Und die Menschen ihre Würde verloren, ihr Zuhause,

und ihr Obdach ein Pappdeckel war, auf den sie sich nachts legten und der tagsüber ihre Sachen bedeckte, ihren Besitz, ihr Eigentum, das meistens in einer verschmutzten Decke bestand, etwas Kleidung und wenn sie noch mehr besaßen, ein Kissen und vielleicht ein Gaskocher.

Aber die Slums boten keine Schutz gegen heranstürmende Lederstiefel, Helme, Masken, Knüppel und Gas. Sie hatten es geschafft der Welle aus Gewalt und Brutalität zuvor zukommen und sich durch Nebengassen und kleine Straßen zu ihrem Freund zu retten, aufgenommen von den Kameras und Drohnen, die über den Dächern schwebten.

Ihre Rettung war der alte biologische evolutionäre Verhaltenstrick, wenn kleine Wesen von Raubtieren gejagt werden, finden sie Schutz in der Masse, im Schwarm, der den Jäger den konzentrierten Blick auf einen Einzelnen schwierig macht.

So hatten sie es bis zu den Wohnblocks geschafft. Der Freund hatte den Mut gehabt, Ihnen zu öffnen und sie hineinzulassen, und als sie in die Wohnung stolperten, merkten sie, dass der Freund ein Held war, denn sie war voller ängstlicher Menschen.

In der Dunkelheit nahmen in den ersten Augenblicken Guido und Cyele nur wahr, dass sich wohl viele Menschen in der Wohnung auf dem Boden zusammenkauerten.

Das Atmen mal leise und immer wieder unregelmäßig. Die Angst erfüllte die Wohnung, ein Stillhalten, ein sich Verstecken der Geängstigten.

Der Freund sah hinter dem Vorhang versteckt auf die Straße und beobachtete, wer jagte und wer gejagt wurde. Die Wohnung war dunkel sodass nichts auffällig war. So hofften sie alle…..

Trans Human Ich binMensch. Meine Heimat ist die ganze Erde. t2

t2

Über dem Wasser war der Himmel.

Der Körper dehnte und streckte sich. Die Kapsel füllte sich mit Licht. Der Körper bewegte sich zum Bullauge der Kapsel. Und sah hinaus.

Er sah das blaue Licht des Planeten.

Die Reise hatte lange gedauert. Er freute sich, das blaue Licht seiner Heimat zu sehen, dem Planeten Erde.

Die Geräte initiierten sich und die Kapsel wurde von technischen Geräuschen erfüllt.

 

Nach dem Dehnen und Strecken bewegte der Körper seine Gelenke.Alles funktionierte. Eine Hand streckte sich aus zum Glas des Bullauges und berührte sehnsüchtig das blaue Licht das von unserem Planeten kam.

Über einem Finger war das Schutzgewebe verschlissen und das Metallgelenk und die verschiedenen Leitungen lagen durch die Bewegung frei.Der Körper reparierte sich.

Das Bewusstsein, das Selbst bewegte den Kopf wieder in Richtung des Fenster, in dem der blaue Planet erstrahlte.

An den spektralen Farben der Atmosphäre berechnete der Computer, dass die Verhältnisse gut und gesund waren.Nicht wie in früheren Zeiten, als die Werte der Atmosphäre gefährlich schwankten.

Das Selbst erinnerte sich an die früheren Zeiten.Lange, lange Zeit entfernt,an die Zeit, als sich die Menschheit in ihrer Evolution einer großen Krise stellen musste und die nächste Stufe erringen oder untergehen.Das Selbst bekam Erinnerungen und Gefühle, die damit verbunden waren.

Die Nacht, so dunkel und von den Feuern erleuchtet, die nächtens in den Städten aufloderten.

„Renn, Renn! Schnell, hier hinein.“

Guido packte Cyele an der Hand und zog sie in eine kleine Nebengasse. Während sie rannten, rissen sie sich die Masken vom Kopf. Cyele keuchte und bekam keine Luft von dem Tränengas. Guido zog sie hinter sich her. Und sie rannten in die Dunkelheit und ließen die hässlichen Geräusche des Straßenkampfes hinter sich.

TransHuman Meine Nation ist der gesamte Planet. t1

Trans Human

Meine Nation ist der gesamte Planet.

t1

Es war dunkel und es war finster auf der Tiefe;

Die Augen waren die ganze Zeit offen.

In der Schwärze.

Der lichtlosen Schwärze.

Und es ward Licht,

als ein Lichtstrahl die Finsternis durchtrennt,

die Energiezellen sich anschalten.

Die Augen einen Glanz bekommen, sie dadurch lebendig werden.

Das Licht erfüllt den Raum.

Und die Augenlider schließen sich ein paar Mal über die Linsen, die von der Bewegung befeuchtet und gereinigt werden.

Das Licht erfüllt den Raum, durchschneidet ihn erst, um ihn dann im zarten Übergang zu erhellen.

Die Linsen der Augen verengen sich die und der Kopf bewegt sich nach rechts und links.

Ein-, zweimal hin und her. Im sanften Dämmerlicht erhebt sich ein Körper.

Erwachen……